Übungsbetrieb der Jugendfeuerwehr – Gemeinsame Atemschutzübung

Am vergangenen Samstag hatten die Mitglieder der Jugendfeuerwehr eine außergewöhnliche Gelegenheit ihre Fähigkeiten im Innenangriff unter umluftunabhängigem Atemschutz zu erproben. Da allerdings die Feuerwehr-Dienstvorschrift Atemschutz (FwDV 7), welche das Tragen von Atemschutz regelt, bestimmte Anforderungen stellt, die Kinder und Jugendliche nicht erfüllen und die physische, wie auch psychische Belastung beim Atemschutzeinsatz sehr hoch sind, verwendet die Jugendfeuerwehr spezielle Übungsgeräte. Diese entsprechen im Tragegestell exakt den Originalgeräten der erwachsenen Brandbekämpfer. Allerdings sind die Atemluftflaschen aus einem KG-Rohr hergestellt und sind dementsprechend leichter. Dies ist wichtig, um die im Wachstum befindliche Wirbelsäule der Kinder und Jugendlichen nicht zu überlasten. Außerdem wird auf eine Umluftunabhängigkeit verzichtet; es wird also ganz normal durch die Atemmaske geatmet. Um den Atemwiderstand zu verringern, wurden alle Membranen aus der Maske entfernt, diese ist nun nur noch als Übungsmaske verwendbar.

Mit den Übungsgeräten hat die Jugendfeuerwehr zwar schon geübt, aber das Übungsziel in Harxheim im Zellertal war auch für die Betreuer einmalig. Jeder Atemschutzgeräteträger der Verbandsgemeinde durchläuft im Übungsjahr verschiedene Stationen, neben der Belastungsübung sind es vor allem praktische Übungen, bei denen das Vorgehen in verrauchten Räumen, die Brandbekämpfung oder das Suchen von vermissten Personen im Vordergrund steht.

Das Hilfskrankenhaus Harxheim/Zellertal

Hierfür wurde das Hilfskrankenhaus (HKH) Harxheim, eine Bunkeranlage unter der Zellertal-Grundschule, als Übungsziel ausgewählt. Hilfskrankenhäuser wurden in der Zeit des Kalten Krieges angelegt und meist die vorhandene Infrastruktur bestehend aus Luftschutzbunkern aus dem Zweiten Weltkrieg ausgebaut. Hauptzweck war es neben der Bevorratung von Medikamenten und medizinischem Material, auch die baulichen Luftschutzmaßnahmen unter dem Eindruck des Korea-Krieges voranzutreiben. Ein Hilfskrankenhaus war demnach eine Klinik, die in eine Bunkeranlage unter der Erde verlegt wurde und im Verteidigungsfall besetzt wurde.

“In einem Notstandsfall ist mit Evakuierungen und Umquartierungen von Teilen der Bevölkerung zu rechnen. Auch Krankenhäuser müssen aus den aufzulockernden Gemeinden in vorbereitete Baulichkeiten (Ausweichkrankenhäuser) verlegt werden. Zudem ist mit einem zusätzlichen Anfall von Verletzten und einem teilweise Ausfall von Krankenhäusern zu rechnen. Für diesen Mehrbedarf von Plätzen werden Hilfskrankenhäuser errichtet. Ausweich- und Hilfskrankenhäuser sollen mindestens 200 Betten Kapazität aufweisen.“ – Richtlinien für die Vorbereitung von Ausweich- und Hilfskrankenhäusern (1961)

Bekannte Fakten zum HKH Harxheim: – Bettenkapazität: 394, Erbaut im erweiterten Sofortprogramm, also nur Technik- und OP-Räume geschützt, Bettenräume ungeschützt in oberirdischen Klassenräumen.

Heute: – Sonderschutzraum für den ziv. Bevölkerungsschutz vorgehalten. Neu berechnete Schutzplatzkapazität in den geschützten Räumen: 224 Schutzplätze

Die Atemschutzübung

Während der Übung sollten die vorgehenden Trupps sich im Bauch der Bunkeranlage orientieren und eine vermisste Person, bzw. die Brandstelle finden. Ziel der Übung war das Kommunikationstraining im vorgehenden Trupp. Im Seitkriechgang, mit Feuerwehraxt, Hohlstrahlrohr mit gefülltem C-Schlauch und ständigem Funkkontakt zur Atemschutzüberwachung wurden schnell die Herausforderungen am Einsatzbild von Atemschutzgeräteträgern deutlich. Durch Folien auf der Maskenscheibe wurde eine Verrauchung simuliert und die Kinder und Jugendlichen hatten sichtlich Spaß beim Vorbewegen in der Bunkeranlage.

Nachfolgend noch einige Eindrücke von der Übung:

 

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